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Das Erbgut entschlüsseln, ohne die Chemie lernen zu müssen

Liebe Freunde und Kollegen,

„Think different, be innovative and have fun” ist der Leitspruch von Xavo. Kein Wunder, dass wir uns immer wieder aufs Neue fragen, wie wir innovatives Denken bestmöglich entwickeln und fördern können. Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die mittlerweile zu einer ganz großen Geschichte für die Menschheit geworden ist. Es geht um eine der größten Innovationen des 20. Jahrhunderts - die Entdeckung der DNA.

Doppelhelix DNA Struktur

Doppelhelix DNA Struktur

Der renommierte österreichische Chemiker Erwin Chargaff hatte bereits 1949 nachgewiesen, dass in der DNA die Basen Adenin/Thymin sowie Cytosin/Guanin im Verhältnis eins zu eins vorliegen. Jetzt galt es herauszufinden, wie die Basen zueinander angeordnet sind und wie sie zusammengehalten werden. Der Wettlauf der besten Wissenschaftler hatte begonnen…

Es war im Jahr 1951, als sich in Cambridge ein kurioses Gespann traf: Der 35-jährigen britische Physiker Francis Crick und der erst 23-jährige amerikanische Zoologe James Watson. Was die beiden verband, waren ihr Ehrgeiz, ihre jugendliche Unbeschwertheit und ihre Faszination für das menschliche Erbgut.

Beide waren keine Größen in der Chemie. Watson wollte das Erbgut entschlüsseln, „ohne dafür Chemie lernen zu müssen.” Als Erwin Chargaff 1952 die beiden Jungforscher besuchte, vergaß Crick wichtige Molekülstrukturen und Watson offenbarte seine Naivität auf dem Gebiet der Chemie. Kein Wunder, dass Chargaff die jungen Kollegen als “wissenschaftliche Clowns” bezeichnete und beiden “enormen Ehrgeiz und Angriffslust, vereint mit einer fast vollständigen Unwissenheit und Verachtung der Chemie” bescheinigte.
Crick und Watson zeichnen die Struktur der DNA, 1953

Crick und Watson zeichnen die Struktur der DNA, 1953

Nach der ersten großen Blamage hatten die beiden Glück: Im Vorbeigehen zeigt ihnen Ende 1952 ein Kollege (Maurice Wilkins) eine Röntgenstrukturanalyse der DNA. Danach war Crick und Watson klar: Die DNA besteht aus zwei Ketten, die sich strickleiterförmig umeinander winden und deren Molekülarme durch Wasserstoffbrückenbindungen zusammengehalten werden. Mit den Worten: “Ich glaube, nur wenige Entdeckungen waren von so perfekter Schönheit,” beschrieb James Watson 1953 ein mehr als zwei Meter hohes Metallgerüst aus Pappe und Drähten, das einer schraubenförmig gewunden Leiter glich - die Doppelhelix.

Die Veröffentlichung des “Watson-Crick Modells” der DNA-Struktur gilt als die Geburtsstunde der molekularen Genetik. Zusammen mit Maurice Wilkins teilten sich James Watson und Francis Crick 1962 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

DNA-Modell von Crick und Watson, 1953

DNA-Modell von Crick und Watson, 1953

Warum haben die „zwei jungen Clowns” im Wettlauf gegen die besser aufgestellte Konkurrenz um Erwin Chargaff gewonnen? Entscheidend für den Erfolg von Crick und Watson waren meines Erachtens die folgenden 3 Dinge:

  • Beide Forscher sind mit jugendlicher Unbekümmertheit und extremer Angriffslust an ihre Aufgaben herangegangen. Heute würde man sagen: Sie hatten die „Time-to-market” fest im Visier.
  • Beide haben bestehende Vorgehensweisen ignoriert und damit der Versuchung widerstanden, in die Tiefen der Chemie abzutauchen. Weil sie die vertikale Spezialisierung vermieden haben, konnten sie den Blick für das Ganze bewahren und das Ziel am Ende des Horizonts - die Entdeckung der DNA - fest im Auge behalten.
  • Sie waren „ausgezeichnete Networker”, indem sie das Know-how anderer Wissenschaftler konsequent ausgewertet und aus der Kritik der Kollegen die richtigen Lehren gezogen haben. Am Ende blieb ihnen nur noch, “die Puzzles richtig zusammen zu setzen”.

Lasst uns (nicht nur bei Xavo) von Crick und Watson lernen.

Herzliche Grüße und „Alles wird gut”.

Ihr Detlef Riedel

Xavo/CEO

4 Comments for "DNA, Double Helix and the “two Clowns”"

Martin Riedel

31.03.2009 | 23:36 Uhr

Als Bioinformatiker freut mich dieser Artikel natürlich besonders! Ich bin immer noch fasziniert von der Tatsache wie einfach und schön das Prinzip der DNA ist. Auf diesem unterstem Level gibt es nur vier Basen, zusammengesetzt in einer Doppelhelix. Und diese simple Struktur erklärt auf einen Schlag so viele Sachverhalte die vorher umstritten oder schlichtweg nicht akzeptiert waren (Evolution, Vererbung, …).

Watson und Crick waren zwei Pragmatiker. Ich denke ihnen war schon früh klar, dass ausreichend Informationen zur Bestimmung der Struktur vorhanden waren. Sie mussten sie nur noch ertüffteln.

Fischer Fritz

01.04.2009 | 09:08 Uhr

Lieber CEO

Toller Beitrag. Interdisziplinäre Lösungsansätze, welche scheinbar bestehende Grenzen und Beschränkungen zumindest überdenken, werden wohl auch in Zukunft das grösste Erfolgs- und auch Spasspotential aufweisen. Gesucht ist interdisziplinär abgestützte Intelligenz für die Umsetzung praktisch nutzbarer Innovation, d.h. umsetzbare Kreativität.

Alles Gute bei der Suche.

Fritz Fischer, Aufsichtsrat

Achim Schrepfer

02.04.2009 | 08:29 Uhr

Was soll ich sagen? In der Softwareentwicklung gibt es ja auch immer wieder solche “Clowns”, die mit einer Vision (deren Qualität ist meiner Meinung nach das entscheidende Element) zunächst belächelt wurden und am Ende zu den Revolutionären in der IT zählen.

Spontan denke ich dabei an Bill Gates und seine legendäre Comdex-Keynote “Information at your fingertips” bei der damals viele dachten, Herr Gates sei wohl total übergeschnappt. Heute im Jahre 2009 ist das meiste dieser Vision nicht nur Wirklichkeit, sondern schlichtweg banaler Alltag.

Möglich wurde das in diesem Fall sicher nicht durch Gates alleine. Aber seine “spinnerte” Vision hat ganz bestimmt vielen kreativen Köpfen die nötigen Impulse gegeben.

Peter Schleiffer

02.04.2009 | 18:40 Uhr

Lieber Detlef, zu meiner schande, bin heute das erstemal auf Deinem BLOG. Liebe diese interaktive Kommunikation.
Ist wohl auch geeignet um Rundfragen. gebe Dir freiwillig einen Kommentar, Xavo macht das richtig und sehr Professionel, freue mich für Euch, Peter

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