Der Erfolg von Webapplikationen in den letzten zehn Jahren ist für kaum jemanden zu übersehen. Das Internet ist voll von phantastischen Anwendungen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Nicht nur die klassischen Webmail-Programme und Internetforen, sondern ganze Office-Pakete (http://docs.google.com/), Mindmapping-Tools (http://www.mindmeister.com/) und innovative Präsentationssoftware (http://prezi.com/) auf Web-Basis sind mittlerweile Realität geworden.
Man erkennt deutlich, dass Webapplikationen heute nicht mehr nur für die Anzeige und das Durchblättern von großen Textstrukturen prädestiniert sind.
Auch im MES-Umfeld hat die Webtechnologie Einzug erhalten. Immer mehr Kunden wünschten sich Webanwendungen, vor allem, weil diese einfacher zu administrieren seien. RichClients wurden hingegen häufig als zu schwerfällig und in der Pflege zu kompliziert abgetan. Die Einführung von Schlagwörtern wie AJAX leistete dem ganzen noch Vorschub.
Wir bei Xavo sind allerdings der Meinung, dass der RichClient immer noch bzw. immer mehr die bevorzugte Plattform für MES-Anwendungen sein sollte!
Produktionsanwendungen entstehen als Indiviualentwicklung maßgenscheidert für den Kunden. Das heißt, dass es immer einen Rahmen für ein Projekt gibt welcher sich aus Zeit, Budget und Funktionalität zusammen setzt. Hieraus ergibt sich, dass ein Projektteam immer versucht, so viel wie möglich vorhandene Software (Bibliotheken, Frameworks, …) einzusetzen um innerhalb der gesteckten Grenzen das Ziel möglichst gut zu erreichen.
Stand heute stehen in der RichClient-Welt sowohl im Java-Bereich mit der Eclipse Rich Client Platform (http://www.eclipse.org/) als auch im .NET-Umfeld mit WindowsForms und NetAdvantage (http://www.infragistics.com/) hervorragende Frameworks bereit, mit denen sich exzellente Bedienbarkeit und rasche Entwicklung vereinen lassen. Auf Basis von Technologien wie Java WebStart und .NET ClickOnce Deployment lassen sich die Anwendungen genauso transparent und zentral verwalten wie Webanwendungen.
Freilich gibt es Frameworks auch für Webanwendungen - nur weitaus weniger einfach in der Handhabung. Webanwendungen bestehen nämlich aus einer Vielzahl von Sprachen und Technologien (HTML, CSS, JavaScript, HTTP, XML, C#, …) die alle beherrscht werden müssen. Hinzu kommen Frameworks für die Server- und die Clientseite. Die Entwicklung von komplexen Anwendungen mit JavaScript ist zudem weitaus schwieriger zu managen. Und wenn das alles noch nicht reicht, dann müssen Webseiten für unterschiedliche Browser lauffähig gemacht werden
Für die Entwicklung RichClients genügt meist die Expertise in der Programmiersprache und dem Framework, das jeweils benutzt wird.
Es gibt drei wesentliche Vorteile von RichClients, die gerade im Produktionsumfeld zum Tragen kommen.
- Bessere Performance und Antwortverhalten
- Es werden weniger Daten übertragen. Die Applikation befindet sich bereits am Client und wird nur bei Änderungen einmalig aktualisiert.
- Auf Eingaben des Benutzers kann sofort reagiert werden (automatische Vervollständigung, Filterung von Datentabellen, Fehlermeldungen, …)
- Lang laufende Aktionen können einfach überwacht werden (z.B. Fortschrittsbalken in der Statuszeile
- Mehr Funktionalität bei einfacherer Bedienung
- Filtern und Gruppieren von Datentabellen ist in Standardkomponenten enthalten.
- Nachladen von Daten bei großen Datenmengen erfolgt automatisch - ein „Paging” ist nicht erforderlich.
- Möglichkeiten der Desktopintegration: Drag & Drop von z.B. Exceldokumenten mit Vorschau.
- Erweiterte Interaktionsmöglichkeiten
- Alle GUI-Elemente können aktiv sein (z.B. Teile von Charts, Kontextmenü für Icons oder Tabellenzellen, …)
- Eingabe in Tabellenzellen
- Einfache Personalisierung der Oberfläche (z.B. Ein-/Ausblenden von Detailbereichen, Anordnung von „Fensterchen”, …)
Bleibt die Frage: wann sollten dann überhaupt noch Webapplikationen geschaffen werden?
Die Antwort ist einfach: Immer dann, wenn ein relativ großer, unbestimmter Benutzerkreis schnellen und sporadischen Zugriff auf Informationen benötigt, machen Webanwendungen absolut Sinn. Beispiele aus der Produktionswelt sind die Qualitätskontrolle und sämtliche Arten des Reportings (auch interaktive Reports mit DrillDown-Funktionen).
Sobald etwas komplexere Funktionalität und eine gewisse Flexibilität in der Benutzeroberfläche mit ins Spiel kommen, werden RichClients zunehmend interessanter. Bei erweiterten Anforderungen wie z.B. Offlinefähigkeit, kommt gar nichts mehr anderes in Frage.
Das Team von Xavo hat in beiden Technologien einen großen Erfahrungsschatz und wird immer versuchen, zusammen mit den Kunden, die beste Lösung für die jeweilige Anforderung zu finden.
6 Comments for "Vergleich von RichClients mit WebClients im Umfeld von Produktionsmanagement-Software"
08.09.2009 | 11:17 Uhr
Der Vorteil von Rich Clients liegt auf der Hand, Look and Feel aus bekannten von jedem verwendeten Programmen (bsp. Office Anwendungen) vermindern den Schulungsaufwand beim Anwender und führen zu grösserer Akzeptanz. Die Entwicklung gestaltet sich durch die Minimierung der eingesetzten Technologien einfacher, schneller und wartunsfreundlicher - als Entwickler kann ich mich Mirko anschliessen, mehr Spass machts auch
Ganz klar Webapplikationen werden auch in Zukunft nicht verschwinden, bieten sie doch die komfortable Möglichkeit überall und jederzeit beispielsweise Produktions oder Lieferfortschritte verfügbar zu machen. Eine Harmonische Co-Existenz beider Technologien und somit das Nutzen der Stärken von beiden Plattformen sind wohl genau das was uns auszeichnet und den Kunden zufriedenstellt.
Uwe Schey
09.09.2009 | 11:46 Uhr
Guter Beitrag Achim,
auf diesen Tag warte ich doch schon seit Jahren. Persönlich war ich nie ein Freund von Web-Oberflächen im Produktionsumfeld, aber ich wurde von vielen unserer Kunden dahin getrieben, da die Vorgaben der IT, was Installation angeht, sehr restriktiv war und immer noch ist. Andererseits sehe ich die Möglichkeiten, die wir unseren Kunden mit Rich-Clients bieten können - und da tut es schon weh, wenn man sich mit den doch eher beschränkten Möglichkeiten der Web-Entwicklung begnügen muss. Andererseits kann man gute Oberflächen natürlich auch im Web umsetzen, aber leider nur zu wesentlich höheren Kosten - und hier war für mich immer eine Zwickmühle in der Diskussion mit unseren Kunden.
Ich freue mich persönlich, nun meinen Kunden endlich etwas anbieten zu können, was hohe Funktionalität bei gleichzeitig vertretbaren Kosten bietet!!
Andre Goller
10.09.2009 | 12:39 Uhr
Tja, vor ein paar Jahren habe ich auch noch gedacht, dass es nur eine Frage der Zeit sei bis sich Browser-basierende Lösungen auch für komplexe Anwendungen innerhalb geschlossener Organisationen durchsetzen. Aber diese Technologie hat es einfach nicht geschafft, die gleiche Usability, Performance und Engineering-Effizienz (= Kosten) zu erreichen wie Desktop-Anwendungen. Selbst Softwareunternehmen wie Microsoft haben es mit großen Investitionen nicht hinbekommen, Programme wie Outlook Web Access annähernd so komfortabel zu gestalten wie das Pendant auf dem Desktop.
Stattdessen haben sich die schon fast abgeschriebenen Fat-Client-Technologien die Vorteile der Browserwelt angeeignet und sind nun in Punkto Installation und Wartung fast genauso unkompliziert zu handhaben und erleben berechtigterweise eine Renaissance.
Sicher wird die Welt in ein paar Jahren wieder anders aussehen – Stand heute sind aber Rich-Clients besonders für unsere MES-Lösungen in jeglicher Hinsicht klar im Vorteil. Außerdem machen sie einfach viel mehr Spaß ![]()
Weekly Digest for September 14th | Alexander Benker
14.09.2009 | 12:09 Uhr
[...] Shared Vergleich von RichClients mit WebClients im Umfeld von Produktionsmanagement-Software. [...]
Tobias Steffenhagen
21.09.2009 | 20:09 Uhr
Wenn Performance, Robustheit, Flexibilität, Usability, Effizienz, schnelle Umsetzbarkeit und/oder geringe Engineering-Komplexität gefragt ist, dann sollte man definitiv auf Rich-Clients setzen.
Durch die geringere Komplexität können die Software-Ingenieure sowohl während der Design-Phase als auch bei der Implementierung weniger Fehler machen. Nebenbei bekommt man eine höhere Performance und ein robusteres System zum Nulltarif. Doch wo ist der Haken? Dank des einfachen Deployments (WebStart und ClickOnce) und zahlreichen - ausgereiften - Frameworks gibt es praktisch keine Nachteile mehr.
Fazit: Rich-Clients haben gegenüber Web-Clients aufgeholt, in vielen Anwendungsfällen bereits überholt.
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Mirko
08.09.2009 | 07:33 Uhr
Ich habe diese Entwicklung auch gemacht. Webapplikationen sind schon in Ordnung, aber mit Rich-Clients hat man einfach mehr Möglichkeiten. Das Entwickeln ist auch nicht so komplex und mach (mir persönlich jedenfalls) viel mehr Spaß. Vielleicht sind unsere Programme auch deshalb besser geworden, weil unser Team mehr Freude an der Arbeit hat