Liebe Freunde von Xavo,
Eine wichtige Aufgabe von MES besteht darin, die in der Produktion erbrachten Leistungen exakt zu erfassen und daraus aussagefähige Kennzahlen zu berechnen. Kennzahlen sind in den Unternehmen nichts Neues - die meisten produzierenden Unternehmen arbeiten schon lange Zeit damit. Trotzdem hat sich in den vergangenen Jahren Entscheidendes getan:
1. Die Firmen haben sich lange Zeit mit Kennzahlen schwer getan. Bedingt durch die etablierten Abteilungsstrukturen (Silos) gab es zu viele Kennzahlen, die Kennzahlen waren oft schwer verständlich und sie waren meist nur einem elitären Managementkreis zugänglich.
2. Mit der Einführung der Kennzahl OEE (Overall Equipment Effectiveness) haben viele Unternehmen einen wesentlichen Schritt nach vorn getan. Die OEE ist die übergreifende Kennzahl für das gesamte Unternehmen, in der sowohl die Anlagenverfügbarkeit, die Anlageneffizienz als auch die Qualitätsrate enthalten sind.
3. In vielen Unternehmen ist es bereits gelungen, alle Mitarbeiter (vom Anlagenbediener bis zum Fertigungsleiter) hinter dieser einen OEE-Kennzahl zu vereinigen. Es macht z.B. Sinn, dass sich die Operatoren auch für die Anlagenverfügbarkeit interessieren. Das Unternehmen hat schliesslich viel Geld in die installierten Anlagenkapazitäten investiert. Stehen Maschinen still (weil z.B. Wartungen durchgeführt werden oder keine Aufträge vorhanden sind), ist es durchaus Aufgabe aller Mitarbeiter diesbezügliche Verbesserungsprozesse in Gang zu setzen.
4. Bei der OEE Berechnung ist es sehr wichtig, dass die Berechnungsvorschriften klar definiert und im Berechnungsprozess jegliche Manipulationen ausgeschlossen werden können. Da es heute noch keine Standards zur OEE Ermittlung gibt, ist bei der Betrachtung des absoluten OEE Wertes Vorsicht angebracht. So kann ein Unternehmen mit einer OEE von 60% durchaus besser sein als ein eines mit 80% - allein auf Grund unterschiedlicher Berechnungsregeln. Entscheidend bei OEE ist deshalb also nicht der absolute Wert, sondern immer der OEE-Entwicklungstrend.
5. Mit Einsatz von modernen MES können heute OEE & Co. oft online berechnet und allen Beteiligten in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden. Das ist möglich, weil die Ermittlung der Produktqualität mittlerweile in vielen Unternehmen über Online-Testing erfolgt. Steht die OEE zeitnah zur Verfügung, kann auf Abweichungen umgehend reagiert werden. Dazu müssen die MES natürlich entsprechende Drilldown Möglichkeiten bereitstellen, um zielsicher und in Echtzeit die für die Abweichungen verantworlichen Ursachen ermitteln und abstellen zu können.
Es freut mich, dass gegenwärtig ernsthafte Bestrebungen zur Standardisierung der MES Kennzahlen im Gange sind. Die Entwicklung der VDMA 66412-2 (MES Kennzahlen Wirkmodell) ist ausdrücklich zu begrüßen, weil sie die definierten Kennzahlen in Zusammenhang setzt.
Bei den Kennzahlen ist es wie bso oft im Leben: Alles hängt mit allem zusammen. Und mann kann nicht alles haben. Dreht man an einer Schraube, können andere Schrauben positiv oder aber auch negativ beeinflusst werden. Auf dieses Thema werde ich in einem späteren Blog konkreter eingehen.
Herzliche Grüße, eine schöne WM und “Alles wird gut”.
Ihr Detlef Riedel
CEO/Xavo
One comment for "Über MES Kennzahlen"
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Achim Schrepfer
01.07.2010 | 11:53 Uhr
Gerade die Erfassung von Qualitätszahlen in Echtzeit und mit einer 100% Abdeckung war in der Vergangenheit in vielen Unternehmen schlichtweg eine Utopie, an die niemand zu glauben wagte.
Systeme wie das IMD Vista Inspection System zeigen, dass heute mittels moderner Technik (in diesem Fall Hochgeschwindigkeitskameras mit Online-Bildanalyse) und ausgefeilter Algorithmen eine 100% Kontrolle “inline” kein Problem mehr ist. Hier werden bis zu 3000 Teile pro Minute inspiziert!
Damit ist die Grundlage für sofort verfügbare und aussagekräftige Kennzahlen geschaffen. Ich bin gespannt wie sich das in Zukunft auf den Markt für Business Intelligence Systeme auswirken wird…