Liebe Freunde von Xavo,
Auslaufende Patente setzen die Pharmafirmen einer neuesten Accenture Studie zufolge immer weiter unter Druck. So läuft bis 2015 der Patentschutz von Präparaten im Wert von 130 Milliarden Dollar aus. Im Jahr 2011 werden 40 % der Blockbuster-Umsätze mit Medikamenten getätigt, deren Patentschutz in den kommenden beiden Jahren ausläuft. Im Jahr 2007 lag dieser Anteil noch bei 15 %. Neue Arzneien können diese Umsatzausfälle nicht wettmachen.
Pharmaindustrie - Quo Vadis? Gibt es Patent-Rezepte, um die R&D Pipelines schnell wieder zu füllen? Ich bin überzeugt davon, dass das gelingen wird, wenn wir die Arbeitsweisen in der Medikamentenentwicklung grundlegend ändern. Den Schlüssel zum Erfolg sehe ich hierbei in einer sehr viel engeren Zusammenarbeit (Collaboration) sowie in der verstärkten Anwendung von Computermodellen.
Nehmer wir das Beispiel Morbus Alzheimer: Alzheimer macht ungefähr 60 Prozent der Demenzerkrankungen aus und tritt in der häufigsten Form nach dem 65. Lebensjahr auf. Bereits viele Jahre bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, bilden sich im Gehirn des Betroffenen Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-Peptiden bestehen.
Es gibt mittlerweile über 100 experimentelle Medikamente, die Beta-Amyloid nachweislich blockieren können. Diese Medikamente müssten aber frühzeitig verabreicht werden, um den Beweis zu erbringen, dass Alzheimer gestoppt oder verlangsamt werden kann. Anerkannt ist, dass Beta-Amyloid die Entstehung der Plaques verursacht. Da aber nicht sicher ist, dass die Plaques auch ursächlich mit der Entstehung von Alzheimer im Zusammenhang steht, verweigert die FDA die Freigabe dieser Medikamente für die klinischen Tests.
Um so erfreulicher ist es, dass es ein sicher weltweit einzigartiges R&D Collaboration Projekt gibt, dessen Aufgabe es ist, Biomarker zu finden, die den Fortschritt von Alzheimer im menschlichen Gehirn zeigen. Die Initiative ADNI (Alzheimer’s Disease Neuroimaging Initiative) wurde 2003 gegründet; beteiligt sind staatliche Institute (NIH, FDA), Universitäten, Pharmaindustrie und verschiedene Non-Profit Organisationen.
In dem Projekt werden alle Daten ausgetauscht. Jedes Resultat wird sofort veröffentlicht und einem jedem in der Welt verfügbar gemacht, der Zugang zu einem Computer hat. Die Daten gehören allen und es können keine Patente angemeldet werden.
Einige Wissenschaftler haben sich anfangs schwer getan, diese neue “Collaboration” Kultur zu akzeptieren und ihre eigene Daten sofort an die Community weiter zugeben. Aber sie haben es getan. Zum einen ist die Aufgabe so komplex, dass kein einzelnes Unternehmen in der Lage ist, eine Lösung zu finden. Zum anderen haben die beteiligten Wissenschaftler aber auch sehr schnell erkannt, welch ungeahnte und schnelle Erfolge durch das Kollaborationsmodell ermöglicht werden. Im vorliegenden Fall agiert das das NIH als Broker zwischen Industrie und Akademia. Es sind aber sehr wohl auch andere, z.B. Peer-to-Peer Modelle vorstellbar.
Zum Ende möchte ich noch 3 Zitate von Projektbeteiligten anfügen, die für sich selbst sprechen:
Dr. John Q. Trojanowski, University of Pennsylvania:
“It was unbelievable. It’s not science the way most of us have practiced it in our careers. But we all realized that we would never get biomarkers unless all of us parked our egos and intellectual-property noses outside the door and agreed that all of our data would be public immediately.”
Dr. Michael W. Weiner, San Francisco Department of Veterans Affairs
“The problem in the field was that you had many different scientists in many different universities doing their own research with their own patients and with their own methods. Different people using different methods on different subjects in different places were getting different results, which is not surprising. What was needed was to get everyone together and to get a common data set.”
Dr. Buckholtz (National Institutes of Health):
“We weren’t sure, frankly, how it would work out having data available to everyone. But we felt that the good that could come out of it was overwhelming. And that’s what’s happened.”
Herzliche Grüße und “Alles wird gut”.
Ihr Detlef Riedel
CEO/Xavo
PS: Wir unterstützen die Pharma R&D Industrie beim Übergang zu neuen Collaboration Modellen mit dem Xavo Produkt “Zea Collaboration”, das auf der MipTec 2010 in Basel in seiner neuesten Version vorgestellt wird.
One comment for "Alzheimer Projekt: Erfolg durch R&D Collaboration"
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Tobias Steffenhagen
16.08.2010 | 23:43 Uhr
Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Eigentlich sind sich fast alle Wissenschaftler einig, welche Ursachen Alzheimer hat: Fehlerhaft gefaltete Beta-Amyloid-Peptiden. Zugleich ist es mehr als nur eine Annahme, dass Plaques im direkten Zusammenhang stehen. Rein von dieser Betrachtungweise sollten sowohl die klinischen Studien (speziell Phase II und III) als auch die Zulassung erleichtert werden.
Auf der anderen Seite wird vermutet, dass Beta-Amyloid eine zentrale Rolle bei der Informationsverarbeitung im Gehirn spielt und deshalb eine bestimmte Menge nicht unterschritten werden darf.
Generell finde ich es sehr gut, dass die Collaboration-Philosophie immer wichtiger wird und teilweise schon gelebt wird. Interdisplizinäre Zusammenarbeit und Kommunikation ist _die_ Zukunft und die einzige Chance, die immer komplexer werdenden Aufgaben der kommenden Jahrzehnte zu meistern.